Bestandsbeschreibung

Die Effekten wurden den Häftlingen bei ihrer Einlieferung ins Konzentrationslager abgenommen. Es handelt sich etwa um Brieftaschen, Ausweispapiere, Fotos, Briefe, Urkunden sowie vereinzelt Modeschmuck, Zigarettenetuis, Eheringe, Uhren oder Füllfederhalter. Wertgegenstände hatten die Nationalsozialisten konfisziert. Die Effekten haben daher in der Regel keinen materiellen Wert, sind aber von hoher ideeller Bedeutung für die Familienangehörigen der ehemaligen Eigentümer. Die Effekten einzelnen Häftlingsgruppen zuzuordnen, erweist sich als schwierig. Vermutlich sind Angehörige aller Nationen dabei, deren Länder von den Nationalsozialisten besetzt wurden. Die Mehrzahl unter ihnen sind Ostmittel- und Osteuropäer. Bei den Effekten aus dem KZ Dachau sind auch viele deutsche Verfolgte zu finden. Es gibt nur wenige Gegenstände von jüdischen Inhaftierten sowie Sinti und Roma. Angehörige dieser Verfolgtengruppen wurden oftmals sofort in Vernichtungslagern ermordet und ihr Besitz nicht verwahrt, sondern konfisziert und weiter verwertet.

Geschichte

Was geschah mit den Effekten von 1945 bis 1963? Das Eigentum der Häftlinge des KZ Neuengamme wurde kurz nach der Befreiung von Lunden, Schleswig-Holstein, sichergestellt. Es war der übrig gebliebene Rest der dorthin evakuierten Gefangeneneigentumsverwaltung des KZ Neuengamme. Gemäß den damaligen Verordnungen wurde das Eigentum seitens der britischen Behörden beschlagnahmt. 1948 wurde das Eigentum mit dem Auftrag der Rückerstattung an das Zentralamt für Vermögensverwaltung übergeben, die ab 1955 unter den Namen Verwaltungsamt für Innere Restitution arbeitete. Die Effekten der Häftlinge des KZ Dachau wurden bei dessen Befreiung aufgefunden. Aber nur ein kleiner Teil blieb bei einem Brand im Mai 1945 erhalten. Bis 1946 blieben die Wertgegenstände bei der Auskunftsstelle Dachau, dem International Information Office, das mit der Rückgabe beauftragt wurde. Nach dessen Auflösung kam es zu einer Trennung der Effekten in Wertgegenstände und persönliche Unterlagen. Die Wertgegenstände gelangten zum DRK Suchdienst Hamburg, wohingegen die persönlichen Unterlagen an das Bayrische Staatskommissariat für politisch, rassisch und religiös Verfolgte gegeben wurden. Das Bayrische Landesentschädigungsamt war die Folgeorganisation des Staatskommissariats.

Bestandsgeschichte

Der Bestand der „Effekten“ ist aus zweierlei Hinsicht ein untypischer Archivbestand: zum einen umfasst er Gegenstände aus dem Besitz von ehemaligen KZ-Häftlingen. Zum anderen gehören diese Gegenstände nicht zum Archiv des ITS, sondern sollen an die Eigentümer bzw. an deren Familienangehörige zurückgegeben werden. Informationen über das Rückgabeverfahren erhalten Sie auf unserer Website (https://www.its-arolsen.org/fileadmin/user_upload/Dateien/effekten/Text_UEbergabe_Effekten.pdf). Im Online-Portal des ITS werden die noch beim ITS verwahrten Effekten gezeigt. Sofern die Eigentümer einverstanden sind, dass die Abbildungen der ausgehändigten Effekten weiterhin zu sehen sind, wird der Vermerk „zurückgegeben“ ergänzt. Ursprünglich gelangten 1963 4.700 Effekten in die Obhut des ITS. Sie stammten aus dem Verwaltungsamt für Innere Restitution in Stadthagen (über 4.300) und dem Bayerischen Landesentschädigungsamt in München (339). Das Verwaltungsamt für Innere Restitution hat im Rahmen der Abwicklung seiner Rückerstattungsangelegenheiten die dort verwahrten Effekten an den ITS abgegeben. In der Mehrzahl waren es Effekten, die kurz nach der Befreiung des KZ Neuengamme durch die britische Armee sichergestellt worden waren. Ein geringer Teil der Effekten kam ursprünglich auch aus dem Quartier der Gestapo Hamburg sowie aus dem KZ Bergen-Belsen. Seitens des Deutschen Roten Kreuzes Hamburg übernahm das Verwaltungsamt zudem Effekten von Inhaftierten des KZ Dachau. Es handelt sich bei den Effekten aus dem Verwaltungsamt überwiegend um Brieftaschen. Vom Bayerischen Landesentschädigungsamt übernahm der ITS Privatsachen, die Verfolgten im KZ Dachau abgenommen worden waren. Im Gegensatz zu den Effekten des Verwaltungsamtes waren es hauptsächlich Papiere, Urkunden, Briefe und Fotografien, die im Landesentschädigungsamt verwahrt wurden. Zum Großteil handelt es sich um Gegenstände von Häftlingen der Konzentrationslager Dachau und Neuengamme. Daneben befinden sich Gegenstände einiger weniger Häftlinge der Gestapo Hamburg, aus den Konzentrationslagern Natzweiler und Bergen-Belsen sowie den Durchgangslagern Amersfoort und Compiègne darunter.

Andere Findmittel

Weitere Informationen zur Bestandsgeschichte können im Findbuch B 1 - Verwaltungsamt für Innere Restitution nachgelesen werden.

Weiteres

Ziel des ITS ist eine Rückgabe der Effekten an ehemalige Verfolgte und Familienangehörige. Weitere Informationen hierzu befinden sich auf der ITS-Webseite. Leihgaben an museale Einrichtungen erfolgen lediglich in Sonderfällen. Nach erfolgter Rückgabe bestimmen die Effekten-Empfänger, ob die Effekte auf der "Digitale Sammlungen Online" abgebildet bleiben.Auf der Grundlage weiterer Bestände des ITS konnte die Nationalität der Effekteneigentümer teilweise ermittelt werden.