Bestandsbeschreibung

Die Effekten wurden den Häftlingen bei ihrer Einlieferung ins Konzentrationslager abgenommen. Es handelt sich etwa um Brieftaschen, Ausweispapiere, Fotos, Briefe, Urkunden sowie vereinzelt Modeschmuck, Zigarettenetuis, Eheringe, Uhren oder Füllfederhalter. Wertgegenstände hatten die Nationalsozialisten konfisziert. Die Effekten haben daher in der Regel keinen materiellen Wert, sind aber von hoher ideeller Bedeutung für die Familienangehörigen der ehemaligen Eigentümer. Die Effekten einzelnen Häftlingsgruppen zuzuordnen, erweist sich als schwierig. Vermutlich sind Angehörige aller Nationen dabei, deren Länder von den Nationalsozialisten besetzt wurden. Die Mehrzahl unter ihnen sind Ostmittel- und Osteuropäer. Bei den Effekten aus dem KZ Dachau sind auch viele deutsche Verfolgte zu finden. Es gibt nur wenige Gegenstände von jüdischen Inhaftierten sowie Sinti und Roma. Angehörige dieser Verfolgtengruppen wurden oftmals sofort in Vernichtungslagern ermordet und ihr Besitz nicht verwahrt, sondern konfisziert und weiter verwertet.

Geschichte

Die Sammlung der vom ITS verwahrten Effekten umfasst drei verschiedene Gruppen von denen jede über eine einzigartige Bestandsgeschichte verfügt. Persönliche Effekten, die der ITS vom Verwaltunsamt für innere Restitution in Stadthagen erhalten hat Persönliche Effekten, die der ITS vom Bayerischen Landesentschädigungsamt (BLEA) in München erhalten hat Persönliche Effekten, die der ITS von nicht mehr bekannten Stellen erhalten hat. Die umfangreichste Sammlung von beim ITS verwahrten persönlichen Effekten erhielt der International Tracing Service 1963 vom Verwaltungsamt für innere Restitution in Stadthagen. Die Sammlung bestand ursprünglich aus ca. 4.300 Effekten aus dem KZ Neuengamme, 93 Effekten von der Gestapo aus Hamburg, 14 Effekten von der Schleswig-Holsteinischen Zentralbank aus Kiel, die hauptsächlich von Insassen des Gefängnisses Neumünster stammen sowie schließlich Effekten aus dem KZ Dachau und unbekannter Herkunft. Hierzu ergänzend erhielt der ITS 6 Kisten mit Effekten von Internierten aus der Nachkriegszeit, die der ITS 1973 an die "Deutsche Dienststelle" (WASt) abgab, da sie sich außerhalb des Mandats des ITS befanden. Die vom Verwaltungsamt für innere Restitution erhaltenen Effekten teilen sich auf die Teilsammlungen 1.2.9.1, 1.2.9.3, 1.2.9.4, 1.2.9.5 und 1.2.9.6 auf.1963 erhielt der ITS 339 Umschläge mit persönlichen Unterlagen von Häftlingen des KZs Dachau von dem Bayerischen Landesentschädigungsamt, welches diese von ihrer Vorgängereinrichtung dem Bayerischen Staatskommissariat für politisch, rassisch und religiös Verfolgte erhalten hatte. 170 dieser Umschläge konnten im gleichen Jahr an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Die persönlichen Unterlagen, die von dem Bayerischen Landesentschädigungsamt übernommen wurden, bilden die Teilsammlung 1.2.9.2.Die dritte und kleinste Gruppe der vom ITS verwahrten Effekten ist von unbekannter Herkunft. 222 persönliche Unterlagen, hauptsächlich von niederländischen Häftlingen des KZs Neuengamme, wurden 1974 in einem der ITS-Gebäude gefunden. Diese nach dem Alphabet geordneten Einheiten teilen sich auf die Teilsammlungen 1.2.9.1, 1.2.9.3, 1.2.9.4, 1.2.9.5 und 1.2.9.6 auf.Seit dem Erhalt der persönlichen Unterlagen war der ITS kontinuierlich darin bestrebt diese an die rechtmäßigen Eingentümer zurückzugeben. Über die Jahre wurden 1.048 persönliche Unterlagen an verschiedene Rotkreuz-Gesellschaften in verschiedenen Staaten abgegeben. Mehr als 800 persönliche Unterlagen wurden von dem ITS direkt an deren Besitzer oder Erben zurückgegeben.

Bestandsgeschichte

Der Bestand der „Effekten“ ist aus zweierlei Hinsicht ein untypischer Archivbestand: zum einen umfasst er Gegenstände aus dem Besitz von ehemaligen KZ-Häftlingen. Zum anderen gehören diese Gegenstände nicht zum Archiv des ITS, sondern sollen an die Eigentümer bzw. an deren Familienangehörige zurückgegeben werden. Informationen über das Rückgabeverfahren erhalten Sie auf unserer Website (https://www.its-arolsen.org/fileadmin/user_upload/Dateien/effekten/Text_UEbergabe_Effekten.pdf). Im Online-Portal des ITS werden die noch beim ITS verwahrten Effekten gezeigt. Sofern die Eigentümer einverstanden sind, dass die Abbildungen der ausgehändigten Effekten weiterhin zu sehen sind, wird der Vermerk „zurückgegeben“ ergänzt. Ursprünglich gelangten 1963 4.700 Effekten in die Obhut des ITS. Sie stammten aus dem Verwaltungsamt für Innere Restitution in Stadthagen (über 4.300) und dem Bayerischen Landesentschädigungsamt in München (339). Das Verwaltungsamt für Innere Restitution hat im Rahmen der Abwicklung seiner Rückerstattungsangelegenheiten die dort verwahrten Effekten an den ITS abgegeben. In der Mehrzahl waren es Effekten, die kurz nach der Befreiung des KZ Neuengamme durch die britische Armee sichergestellt worden waren. Ein geringer Teil der Effekten kam ursprünglich auch aus dem Quartier der Gestapo Hamburg sowie aus dem KZ Bergen-Belsen. Seitens des Deutschen Roten Kreuzes Hamburg übernahm das Verwaltungsamt zudem Effekten von Inhaftierten des KZ Dachau. Es handelt sich bei den Effekten aus dem Verwaltungsamt überwiegend um Brieftaschen. Vom Bayerischen Landesentschädigungsamt übernahm der ITS Privatsachen, die Verfolgten im KZ Dachau abgenommen worden waren. Im Gegensatz zu den Effekten des Verwaltungsamtes waren es hauptsächlich Papiere, Urkunden, Briefe und Fotografien, die im Landesentschädigungsamt verwahrt wurden. Zum Großteil handelt es sich um Gegenstände von Häftlingen der Konzentrationslager Dachau und Neuengamme. Daneben befinden sich Gegenstände einiger weniger Häftlinge der Gestapo Hamburg, aus den Konzentrationslagern Natzweiler und Bergen-Belsen sowie den Durchgangslagern Amersfoort und Compiègne darunter.

Andere Findmittel

Weitere Informationen zur Bestandsgeschichte können im Findbuch B 1 - Verwaltungsamt für Innere Restitution nachgelesen werden.

Weiteres

Ziel des ITS ist eine Rückgabe der Effekten an ehemalige Verfolgte und Familienangehörige. Weitere Informationen hierzu befinden sich auf der ITS-Webseite. Leihgaben an museale Einrichtungen erfolgen lediglich in Sonderfällen. Nach erfolgter Rückgabe bestimmen die Effekten-Empfänger, ob die Effekte auf der "Digitale Sammlungen Online" abgebildet bleiben.Auf der Grundlage weiterer Bestände des ITS konnte die Nationalität der Effekteneigentümer teilweise ermittelt werden.