Bestandsbeschreibung

Original-Effekten, Umschläge.

In den Effekten aus dem KZ Dachau befinden sich auch die Gegenstände von 21 Häftlingen, die sie selbst offenkundig entwendet hatten. Diese 21 Personen waren, bevor sie ins KZ Dachau gelangten, zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert gewesen. Sie waren so genannte "BV-ler", d.h. befanden sich in "Befristeter Vorbeugehaft". Diese 21 wurden am 19.7.1943 aus Buchenwald nach Warschau verbracht, wo sie als Funktionshäftlinge im neu eingerichteten KZ Warschau die Häftlinge beaufsichtigen sollten, welche die Ruinen des im Mai 1943 zerstörten und liquidierten Ghettos Warschau räumen mussten. Es ging darum, die Ruinen nach wertvollen Gegenständen, verwertbaren Baustoffen und auch noch lebenden Juden zu durchforsten. Die Häftlinge des KZ Warschau wurden im Sommer 1944 nach Dachau transportiert. Keiner der 21 Funktionshäftlinge hatte vor Abfahrt aus Buchenwald selbst Effekten besessen, nun kamen sie an und ihnen gehörten Devisen, Uhren, Goldketten usw. Augenzeugen und Dokumente berichten davon, dass diese Funktionshäftlinge sich extrem brutal gegenüber den Häftlingen des KZ Warschau benommen hatten.

Bestandsgeschichte

Die Effekten der Häftlinge des KZ Dachau wurden bei dessen Befreiung aufgefunden. Bis 1946 blieben die Wertgegenstände bei der Auskunftsstelle Dachau, dem International Information Office, das mit der Rückgabe beauftragt wurde. Nach dessen Auflösung kam es zu einer Trennung der Effekten in Wertgegenstände und persönliche Unterlagen. Die Wertgegenstände gelangten zum Suchdienst Hamburg des Deutschen Roten Kreuzes, wohingegen die persönlichen Unterlagen an das Bayerische Staatskommissariat für politisch, rassisch und religiös Verfolgte gegeben wurden. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes Hamburg übergab dem Verwaltungsamt für innere Restitution in Stadthagen im Dezember 1957 die erhaltenen Effekten aus dem KZ Dachau, die schließlich gemeinsam mit der Abgabe der Effekten aus dem KZ Neuengamme 1963 an den ITS gingen. Das Rote Kreuz Hamburg selbst hatte die Gegenstände „von einer amerikanischen Dienststelle in Frankfurt“ erhalten, konnte aber nicht mehr eruieren, wann dies geschehen war. Unter den Effekten sind auch Wehrpässe der Wehrmacht zu finden. 1963 waren dem ITS alle beim Verwaltungsamt verwahrten Effekten übersendet worden, darunter auch diejenigen von Wehrmachtssoldaten, die während der Nutzung des ehemaligen KZ Neuengamme als Internierungslager der Britischen Besatzungsmacht dort inhaftiert gewesen waren. Unter den Effekten können aber auch solche sein, die von politisch oder anderweitig verfolgten, vor 1945 in KZ-Haft genommenen Wehrmachtsangehörigen stammen.